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DIE SOAP UND ICH

Interview Andrea Hintermaier

Kurzvita: Andrea Hintermaier ist frei schaffende Schauspielerin u.a. am Theater für Niedersachsen und am Brick Theater in Brooklyn. 2016 ist sie in "Dalliance" im Lincoln Center in NYC und 2017 in dem Katie Fforde-TV-Film "Bellas Glück" zu sehen.

Frage: Wir haben uns sehr gefreut, dass du bei der Science Soap mitgemacht hast…
Andrea: Ich auch.

Frage: Haha, sehr gut. Ich würd gern von dir wissen, was dich denn bewogen hat, die Rolle der Professorin Herzberg spielen zu wollen.
Andrea: (lacht) Naja. Also, ich hab durch Zufall André Jagusch angerufen. Wir kennen uns schon länger, und wollte mit ihm plauschen. Und da hat er gesagt, er macht da so'n Projekt, und da hab' ich gesagt: Mensch, André! Keine tolle Rolle für mich? Da hat er gesagt: Hm, doch. Eigentlich hab' ich die perfekte Rolle für dich. Weil ich ja selber auch Lehrerin bin, also Schauspiellehrerin, und er meinte das wäre total super, weil ich das ja kennen würde. Weil Frau Prof. Herzberg Nele ja auch ans Herz legt, endlich Physik zu studieren, und das mach' ich ja nun auch ganz oft mit meinen Schülern. Weil das auch ganz oft problematisch für die ist, sich durchzusetzen und ihren Eltern zu sagen: Ich werd' jetzt Schauspieler. Und da waren wir uns sofort einig, dass das perfekt passt, weil ich das so gut kenne. Und dann war das schon ganz schnell klar.

Frage: Ist das häufiger so, dass die Menschen, die Schauspieler werden wollen, da zu kämpfen haben? Nele muss ja in der Soap darum kämpfen, dass sie Physik studieren darf, ihr Vater ist davon nicht so begeistert. Das gibt es beim Schauspiel also auch oft?
Andrea: Total. Den wenigsten mangelt es an Talent oder an Verständnis oder an Können. Ganz, ganz viele haben ganz große Probleme, sich das einzugestehen, dass Schauspiel ihr Ding ist, dass sie das können. Es ist ja doch noch das gängige Bild: Oh Gott, wie unsicher, der Künstler, und - ganz schlimm - bestimmt nimmst du nur Drogen und hurst rum und so. Und überhaupt, da findest du nie eine Anstellung, das ist ganz schrecklich. Da kämpfen ganz, ganz, ganz, ganz viele wundervolle Künstler und Schauspieler damit. Da versuche ich immer zu helfen.
Bei mir selber war das im Übrigen auch so. Ich bin erst mit 25, was total spät ist, auf die Schauspielschule gegangen. Dabei war das eigentlich schon klar, ich weiß es nicht, ich stand schon mit drei mit 'ner Freundin im Garten und hab' meine ganzen Freunde unterhalten und dafür Geld genommen und so. Und dann hat's aber solange gedauert. Nicht, weil ich das nicht kann, oder nicht will, sondern einfach, weil so viel negativer Einfluss kam. Eigentlich genau das Gleiche wie bei Nele. Da muss man lernen, sich zu vertrauen und auch vor allem auf die Menschen, die um einen sind, so wie in dem Fall jetzt zum Beispiel die Frau Prof. Herzberg. Das find' ich schon ganz toll, die dann erkennt, dass in so 'nem jungen Menschen Potential steckt und dann einfach mal sagt: Hey Mädel, was ist denn eigentlich mit dir los. Willst du mal vielleicht zu dir selber stehen?! Und das braucht man auch ganz oft, so einen Menschen, der einen da leitet.

Frage: Gibt es so eine Mentorensituation wie in der Soap auch bei dir im wahren Leben? Prof. Herzberg ist ja eine Mentorin für Nele und schubst sie in die richtige Richtung.
Andrea: Ja, ich habe das in beide Richtungen: dass ich als Mentorin fungiere, aber auch, dass ich mir selber immer wieder Hilfe hole auch. Es prasselt soviel auf uns ein, da ist es immer gut, da zu jemandem zu gehen, aber dann natürlich auch auf sich selber zu hören. Also wenn jetzt, sagen wir mal, wenn da Frau Prof. Herzberg einfach nur rumlabern würde, und Nele hätte das gar nicht in sich, da könnte Frau Prof. Herzberg gar nix machen. Also es ist so'n kleiner Schubs in die richtige Richtung, und dann muss man natürlich auch gut auf sich selber hören.

Frage: Wie hast du dich denn auf deine Rolle vorbereitet?
Andrea: In Physik war ich immer ganz schlecht. Ich hatte entweder 'ne Sechs oder musste abschreiben. Zir Vorbereitung auf die Rolle hab' ich versucht, in meinem alten Gymnasium mit meinem alten Physiklehrer zu sprechen, und hab' da leider auch nichts verstanden. Ich dachte, das gibt's doch nicht, dann muss ich das halt alles eben faken, dann weiß ich halt nix. Dann kapier' ich das halt alles nicht, ist mir auch egal. Dann hab ich aber doch darauf bestanden, Frau Dr. von Oeynhausen kennenzulernen, und die hat ein ganz tolles, das ist der Wahnsinn, die kann Physik so gut und so einfach erklären, dass es wirklich Spaß macht, und dass man es wirklich versteht. Vielleicht hat mir das dann auch einfach in der Schule gefehlt. Sehr toll erklärt und sie hat auch diesen Zusammenschluss von Physik und Spiritualität für mich eröffnet. Also nicht nur Elektronen und Mikroskop und so, sondern sie hat da einen sehr umfassenden Blick darauf. Das hat mir viel geholfen.
Und natürlich hab' ich auch über Physik gelesen. Dann hab' ich viel an meine eigene Situation gedacht, die ich kenne als Mentorin, und mit meiner Mami hab' ich Text gelernt. Sie war dann Nele Wagner, und den Text kann sie übrigens heute immer noch. Es ist auf jeden Fall besser, jemanden zu haben, mit dem man auch den Text lernen kann, als den nur auswendig zu lernen.

Frage: Was war an dieser Produktion vielleicht besonders im Vergleich mit anderen, an denen du mitgewirkt hast?
Andrea: Jede Produktion hat immer etwas besonderes. Ich würde sagen, dass alle sehr locker, sehr jung und sehr frisch waren, und einfach auch Bock hatten, zu arbeiten. Da wollten einfach alle gerne diese Sache machen. Alle waren mit ganz, ganz, ganz viel Herz dabei. Das war schön.

Frage: Hast du eine Lieblingssoap?
Andrea: Nee, ich gucke keine Soaps. Ich kann das nicht. Aber was ich viel mache, ist Serien gucken, amerikanische Serien, HBO-Serien. „Six Feet Under“, oder gerade gucke ich „Game of Thrones“, das ist ja auch alles im Serienformat, und sehr gut gemacht. Sowas guck' ich. Es gab ja mal diese Serie „Berlin, Berlin“, Lolle, das fand ich toll.
Und was ganz toll sein muss, was ich noch nicht gesehen hab, und was auch gar keine Soap ist, sondern 'ne Serie, ist „about Kate“. Das hat auch 'ne Freundin von mir gemacht.

Frage: Hast du noch einen persönlichen Bezug zur Wissenschaft, außer, dass du Physik nicht mochtest in der Schule?
Andrea: Ja, mittlerweile ja. Ich lebe doch zunehmend sehr spirituell, und stelle immer wieder fest, das das sehr gut und ganz doll Hand in Hand mit der Wissenschaft geht, und ganz oft auch zusammen geht.
Es scheint immer so, als sei das getrennt, aber das ist nicht so, als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun. Ich stelle immer mehr fest, dass das alles eben einfach zusammen gehört. Und dass man am besten soviel weiß, wie möglich, damit man das alles gut für sich nutzen kann. Viele Physiker werden ja auch am Ende ihres Lebens sehr spirituell, und Philosophen ganz oft, und ich find' eigentlich dieses Zusammenspiel gut.
Wie beim Altruismus, da geht es um cause und effect, also um Ursache und Wirkung, und dass alles, was ich herausgebe, das bekomm' ich dann auch wieder zurück.

Frage: Was wünschst du der Sciece Soap?
Andrea: Was ich wünschen würde, wär', dass sie ganz, ganz viel Aufmerksamkeit bekommt; dass sie möglicherweise sogar eine überregionale Ausstrahlung bekommt. Oder vielleicht sogar von einem Fernsehsender übernommen wird, und dann weitere Staffeln gedreht werden. Und natürlich auch, dass tatsächlich Menschen wie Nele sich trauen, die es wollen, die Chance haben, ob sie Physiker werden wollen, oder Schauspieler werden wollen, oder Gärtner, das ist mir dann egal. Dass sie sagen können: Ich steh' zu mir selbst, und ich mach' das, was ich will, und ich steh' zu meinem Talent. Das wär toll, wenn
Andrea: Was ich wünschen würde, wär, dass sie ganz ganz viel Aufmerksamkeit bekommt, dass sie möglicherweise sogar eine überregionale Ausstrahlung bekommt. Oder vielleicht sogar von einem Fernsehsender übernommen wird, und dann weitere Staffeln gedreht werden. Und natürlich auch, dass tatsächlich Menschen wie Nele sich trauen, die es wollen, die Chance haben... , ob sie Physiker werden wollen, oder Schauspieler werden wollen, oder Gärtner, das ist mir dann egal. Dass sie sagen können: Ich steh zu mir selbst, und ich mach das, was ich will, und ich steh zu meinem Talent. Das wär toll!